Therapieablauf


  • Vordiagnostik
  • Behandlungsprinzip der klinischen Gruppentherapie
  • Ein Votum für die Gruppenpsychotherapie
  • Tagesorganisation des Behandlungsablaufes
  • Abschlussauswertung der Therapie





Vordiagnostik


Anfangs kommen die Menschen zu uns in die Praxis wegen Lebenssituationen, in denen sie sich überfordert, machtlos oder ungerecht behandelt fühlen. Es können Krankheiten, Krisen oder Schicksalsschläge sein oder auch immer wiederkehrende Probleme mit ganz bestimmten Menschen. Durch klärende Gespräche und durch eine Testdiagnostik versuchen wir gemeinsam herauszufinden, worin die Ursachen für die Konfliktsituationen bestehen und wie man sein eigenes Verhalten realistisch einschätzen kann. Stellt sich heraus, dass eine psychische Störung besteht, die der Patient über eine Psychotherapie beeinflussen könnte, empfehlen wir in unserer Praxis eine tiefenpsychologische Gruppenpsychotherapie, ambulant oder auch stationär. Gruppentherapien sind sehr erfolgreich, da sie ein Spiegelbild sind für die sozialen Beziehungen im eigenen Leben, denn Konflikte entstehen immer im Kontakt mit anderen Menschen.

 

Behandlungsprinzip der klinischen Gruppentherapie


  • Die Hier-und-Jetzt-Situation als Therapiestrategie

Der Ablauf der Gruppenarbeit ist geprägt durch die nachgestellte Alltagssituation der Patienten, in der sie sich selbst und eigenverantwortlich organisieren für das Alltagsleben (Gestaltung der Ernährung, der Reinigung, Finanzierung des Essens). Da jeder Mensch anders denkt und fühlt, gibt es natürlich auch bei uns Alltagskonflikte. Es wird besonderer Wert gelegt auf die primären Grundgefühle in der Situation, ob man sie wahrnimmt und auch ausspricht und ob man die Konflikte klärt oder nicht. Besonders betont wird die aktuelle Konfliktklärung im Hier und Jetzt. (Nicht Vergangenheit - Nicht Zukunft)


  • Sofortige Konfliktklärung

Jede Situation in der Klinik darf unterbrochen werden, wenn Konflikte entstanden sind, um sie zu klären. Auch in den Gruppentherapien und Begleittherapien werden die Ursachen für solche Konflikte gesucht, Fehlverhaltensweisen oder Unsicherheiten geklärt.

Diese Klärung erfolgt vor allem durch:

  • tiefenpsychologisch fundierte Gruppengesprächstherapie  nach dem Prinzip der Intendiert dynamischen Gruppenpsychotherapie
  • kommunikative Bewegungstherapie
  • Psychodrama
  • Musiktherapie
  • Kunsttherapie
  • Rollenspiele, bezogen auf die Alltagskonflikte

Durch Offenheit und Aufrichtigkeit und durch Aufklärung wird den Patienten emotional und rational der Ursprung ihrer Störung bewusst gemacht. Diese Alltagserfahrung in der Psychotherapie gibt es in anderen psychotherapeutischen Kliniken in dieser Form nicht, da die Lebensversorgung ja sonst von den Kliniken übernommen wird, d. h., unbewusste Alltagsfehlverhaltensweisen nicht deutlich werden können, da die Alltagsverantwortung in den Großkliniken von den Patienten nicht übernommen werden muss bzw. kann.


  • Gruppenphasen

Jede Gruppe durchläuft automatisch gesetzmäßig soziale Reifungsphasen des Individuums für sich und für den Umgang mit anderen Menschen. Im Ablauf der Therapie ist dies vergleichbar mit den menschlichen Reifungsstufen in der Realität.


Die natürlichen emotionalen Wechselwirkungen zwischen der menschlichen Persönlichkeit und der sozialen Gruppe, der sie angehört, bezeichnet man als Gruppendynamik. Ausgehend von den Grundbedürfnissen und den Grundaufgaben der sozialen Gruppe stehen die Grundbedürfnisse jedes einzelnen Gruppenmitgliedes den Anforderungen der Gruppe bzw. des Gruppenleiters gegenüber. Durch die Unterschiedlichkeit der Persönlichkeiten müssen naturgemäß Konflikte entstehen, welche in der Auseinandersetzung zu einem Gruppenoptimum führen sollen. So wird es auch naturgemäß in jeder Gruppe eine andere Dynamik geben. Das große Verdienst von FREUD war, zu erkennen, dass bei diesen Auseinandersetzungen die so genannten Übertragungen eine Rolle spielen, d. h. jedes Gruppenmitglied, auch der Gruppenleiter, erlebt die aktuelle Situation mit emotionalen Verhaltensmustern, die er aus der eigenen Persönlichkeitsentwicklung gelernt hat. So ist für den Patienten der Gruppenleiter eine Autoritätsperson, welche mit den eigenen Autoritätserfahrungen unbewusst identifiziert und gedeutet wird. Diese subjektive Deutung ist meist nicht realistisch, sollte aber ausgesprochen werden und kann dadurch aufgearbeitet werden. Weshalb ein Vergleich der Konflikte im realen Leben entsprechend der Lebensreifungsetappen möglich wird.




Ein Votum für die Gruppenpsychotherapie


Frage: 

Haben Sie Angst vor Gruppenpsychotherapie? Was ängstigt Sie?

  

Häufige Antworten meiner Patienten:

Es sind die fremden Menschen, die ängstigen. Es sind Schamgefühle.

Es ist die Befürchtung, das Leid von anderen Personen aufnehmen zu müssen.

Es ist die Angst, sich nicht abgrenzen bzw. durchsetzen zu können.

Es ist die Angst vor dem Zwang, über sich  reden zu müssen.

 u .v. a. m.


Wenn Sie richtig überlegen, sind dies genau die gleichen Ängste, die Sie draußen im Leben haben. Deshalb bietet es sich an, ohne Druck, ohne Zwang, bei vollstem Verständnis und unter dem Schutz der Mitpatienten Schritt für Schritt über seine Probleme in der Gruppe zu sprechen. Die Mitpatienten haben garantiert Verständnis für Sie, weil sie in der gleichen Lage sind. In unserer Gruppe gibt es keine realen Konsequenzen wie Scheidung oder Kündigung, sondern man lernt im sozialen Milieu sich auszuprobieren und Verständnis für sich und seine Probleme zu finden.

In der Regel kommen die Patienten nach Überwindung der ersten Ängste meist schon ab der 2. oder 3. Stunde sehr gern in die Therapie, weil der Schutz der Gruppe Geborgenheit, Verständnis und Sicherheit gibt. Außerdem lernt man eine Menge über soziale Beziehungsstrukturen und Normen.


Tagesorganisation des Behandlungsablaufes


8.00 Uhr Frühstück

9.00 Uhr Tagesorganisationsbesprechung für den Haushalt

10.00 Uhr Gesprächsgruppe

12.00 Uhr Begleittherapien

13.00 Uhr Mittagspause

16.00 Uhr Begleittherapien

19.00 Uhr Abendbrot

20.00 Uhr Tagesgruppenabschlussgespräch



Abschlussauswertung der Therapie


Einzelauswertung in der Gruppe:

Jeder Patient berichtet über seine Erwartungen, Erkenntnisse und Kritiken.

In der Gruppe ergänzt jeder mit seiner Meinung diesen Bericht des Patienten.

Einzelauswertung mit dem Therapeuten im Einzelabschlussgespräch

Die subjektive Einschätzung des Patienten, welche Erkenntnisse und Verhaltensänderungen realisierbar sind, ob er sich jetzt selbstbewusster fühlt z.B. oder auch noch offene Therapiewünsche werden angesprochen.

Abschlusstests werden mit den Anfangstests verglichen und mit dem Therapeuten ausgewertet.